Equipment
Häufig werde ich gefragt: "Womit fotografierst Du?"
Ich verzichte an der Stelle bewußt auf die konkrete Aufzählung meiner Ausrüstung.
Erstens, die Liste würde ziemlich lang werden.
Nach jahrelanger intensiver Beschäftigung mit der Fotografie, ist es eh unmöglich den ganzen Krempel aufzuzählen, der sich mit der Zeit in Schränken, Vitrinen und Schubladen angesammelt hat.
Zweitens, stehen die langweiligen Details zu Marken, Modellnamen und Zubehör in keinem Bezug zu den resultierenden Bildern. Ich verstehe nicht, warum sich so viele Leute diesen Unsinn freiwillig in ihre Foren-Signaturen schreiben?!
Insbesondere spreche ich keine Empfehlung für oder gegen bestimme Marken aus.
Für technik-interessierte Fotografen stelle ich lediglich einige interessante historische Kameras vor, die mich in Vergangenheit länger begleitet haben.
Gerade im Hobby- und Amateurbereich gibt es eine ganze Reihe Verfechter und Gegner bestimmter Marken oder Kameratypen. Die vermeintlichen Gründe werden oft irrational, sentimental oder aufgrund von Fehlinformationen oder mangelnder Erfahrung vorgetragen und liefern überhaupt keine Aussage darüber, welche der jeweiligen Kameras nun tatsächlich besser oder schlechter sei. Man kann die entsprechenden Diskussionen (bzw. Flamewars) in diversen Fotoforen mitverfolgen, teilweise mit hohem Unterhaltungswert.
Fragt man einen Berufsfotografen nach einer Kameraempfehlung, kommt die Antwort recht schnell. Es wird in 95% der Fälle einer der beiden großen Hersteller genannt. Dabei ist allerdings zu beachten, dass Berufsfotografen ihren Fokus auf ganz andere Werte legen, wie Verfügbarkeit, weltweiter professioneller Kundendienst, mechanische Robustheit, bestehende Verträge, Rental-Service, usw...
Damit ist keinem Einsteiger geholfen.
Die Wahl der "ersten richtigen Kamera" alles andere als einfach. Gerade im Amateurbereich mutiert das Gerät häufig vom Werkzeug zum Prestigeobjekt, denn der Anfänger verdient mit seiner Ausrüstung kein Geld, möchte aber aufgrund seiner hohen Investition in der Umgebung zumindest wie ein Profi erscheinen.
Welches ist also die ideale Einsteigerkamera?
Mein Tipp (der schwierigste Teil sozusagen zuerst):
- sich genau Gedanken darüber machen, wofür die Kamera eingesetzt werden soll und zeitgleich eine ehrliche Selbsteinschätzung der eigenen Kenntnisse abgeben. Anschließend eine der vielen hervorragenden Kameraberatungsseiten im Internet besuchen. Dabei ist wichtig, dass man stets realistisch bleibt, damit die Beratungsdiskussion möglichst zielführend ausfällt.
Grundsätzlich sind, für eine tiefere Beschäftigung mit der Fotografie, viele manuelle Einstellmöglichkeiten von Vorteil. DIE perfekte Kamera wird häufig erst später gefunden, es ist nie die erste Kamera, auf der man sein späteres System aufbaut. Bei Unentschlossenheit empfiehlt sich daher ein günstiges Modell.
Auf der anderen Seite haben genießen Fotoamateure heute viele große Vorteile:
- es gibt kaum wirklich schlechte Kameras auf dem Markt,
- die Benutzerfreundlichkeit har sehr zugenommen,
- durch die hohe Verbreitung und Modellvielfalt sind die Kamerapreise stark gefallen,
- viele kostenlos zugreifbare Informationsquellen und Beratungsseiten im Internet,
- dank der Digitaltechnik ist auch der Betrieb sehr günstig geworden, da keine laufenden Kosten durch Film- und Fotoentwicklung entstehen,
- hat man die Kamera kennengelernt und eingesetzt, merkt man schnell, ob man tiefer einsteigen möchte oder ob man bereits an die eigenen oder die systemtechnischen Grenzen gestoßen ist.
A camera does nothing. You do.
Ich bin der Ansicht, dass sich prinzipiell mit jeder modernen Kamera gute Fotos machen lassen. Lediglich das Bedienkonzept erschwert oder erleichert dem Fotografen den Weg dorthin.
Mehrere bekannte Fotografen (siehe z.B. Guido Karp) beweisen mit ihrem großformatigen Prints, dass es selbst mit einer Handykamera möglich ist, beeindruckende Bilder zu schießen.
Ansel Adams (legendärer Foto-Pionier) sagte bereits 1937:
"Jedes moderne Objektiv ist für beste Leistung bereits bei großen Blenden korrigiert. Eine kleinere Blende erhöht lediglich die Schärfentiefe..."
Weniger ist hier mehr. In der "Analogzeit" neigte ich dazu, meine Fototasche zu überladen. Ich nahm alle meine Objektive und alles erdenkliche Zubehör mit, in der Annahme, dadurch die Bildergebnisse zu verbessern. Komischerweise ist es so, dass je mehr Ausrüstung man mit sich herumschleppt, desto schlechter werden die Bilder. Oder die Szenerie war bereits verschwunden, ehe die Kamera mit dem ganzen Zubehör aufgebaut war.
Heute besteht meine Ausrüstung bei längeren Fototouren aus nur einem DSLR Body mit 2 Zoomobjektiven. Oder alternativ 3 Festbrennweiten. Nach Bedarf entweder ein Systemblitz oder ein gutes Stativ. In einer Seitentasche steckt meist eine Kompakte als Reserve.
Häufig kommt auch nur die Kamera mit einer einzigen lichtstarken Festbrennweite mit, egal ob analog oder digital. Trotz dieser scheinbaren Einschränkung entstehen so deutlich interessantere und spontanere Aufnahmen, als mit einem Koffer voller Fotoausrüstung.
Bei Studio- und Experimental-aufnahmen gibt es keine Faustformel, hier stelle ich alles nach Bedarf (bis zu fünf WL-Blitze) zusammen.
Im Grunde reicht zum Fotografieren schon eine einzelne lichtbrechende Linse. Oder nur eine Glasscherbe.
Ob der lichtdichte Kasten dahinter digital oder analog ist, spielt keine Rolle. ;-)
Die konkrete Bildidee entsteht im Kopf. Die Ausrüstung muss blind beherrscht werden, die Technik sollte an zweiter Stelle stehen.
Objektiv betrachtet, hätte ich meine besten Bilder auch mit meiner uralten Zenit schießen können.
"Wir lassen nie vom Suchen ab, und doch, am Ende unseres Suchens, sind wir am Ausgangspunkt zurück und werden diesen Ort zum ersten Mal erfassen."
T.S. Eliot

Zenit-E
mit HELIOS-44-2 58mm 1:2.0 |

Sony A850
mit HELIOS-44-2 58mm 1:2.0 |
Und hier schließt sich der Kreis wieder.
Witzigerweise kann mein allererstes Objektiv nach 25 Jahren immer noch an die modernste DSLR adaptiert werden. Trotz aller Schwächen des Objektivs, gelingen auch damit hervorragende Aufnahmen.
Und das ist das Einzige, worauf es ankommt. :-)
Aleksander Zgraja
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