Dias und Negative schnell digitalisieren

 

Schnellere Alternativen

Ein gänzlich anderer Ansatz ist der Einsatz einer Digitalkamera, die ein Bild im Bruchteil einer Sekunde erfassen kann. Warum also nicht einfach das Dia mit dem Diaprojektor auf eine Leinwand projizieren und mit einer DSLR abfotografieren?

 

Dia Leinwand abfotografieren

Es ist möglich so vorzugehen, jedoch ist die Methode mit sehr vielen Nachteilen verbunden. Die Bildqualität hängt maßgeblich vom verwendeten Gerät und von der Leinwand. Die Bildqualität wird durch sehr viele Faktoren verschlechtert:

- Projektorobjektive sollen in erster Linie hell sein. Durchschnittliche Geräte haben eine Lichtstärke von 1:2.8, d.h. sie arbeiten sozusagen immer nur mit Offenblende. Höchste Schärfe wird bekannterweise nie bei Offenblende erreicht. Es erfolgt ein Schärfeverlust.
- Nahezu jedes Objektiv weist eine mehr oder weniger ausgeprägte Vignettierung auf. Das heißt, das Ausgangsmaterial ist in der Regel bereits ein wenig dunkler in den Ecken. Die Vignettierung wird hier doppelt verstärkt - einmal durch das schlechte Objektiv des Diaprojektors und dann nochmals durch das Objektiv der Digitalkamera.
- Die Leinwände sind in der Regel rau, die raue Struktur, vermischt mit dem Filmkorn, erzeugt eine störende Struktur, die sich kaum mit Software entfernen lässt oder mit starkem Verlust der Detailzeichnung einhergeht.
- Eventuelle Schäden an der Leinwand, werden auf jedes digitalisierte Bild übertragen.
- Der Kontrast ist höchstens so gut, wie das verwendete Projektorobjektiv und Leinwand. Folge: gedämpfter Dynamikbereich.
- Wird ein Dia längere Zeit angezeigt, bleibt es nicht plan, sondern "knickt" durch die Temperatureinwirkung um. Die Schärfe muss am Projektor neu eingestellt werden, möglicherweise ist es nicht möglich gleichzeitig die Bildmitte und die Ecken scharf zu stellen. Eventuelle Unebenheiten der Dialeinwand verstärken jeden Fehler.
- Dias im Hochformat müssen von Hand ins Querformat gedreht werden
- Für eine verzerrungsfreie Aufnahme, müssten das Projektionsobjektiv und das Aufnahmeobjektiv auf ein- und derselben optischen Achse liegen. Das ist hier schlicht und einfach nicht möglich, sonst müsste die Kamera direkt vor dem Projektor installiert werden (und das Bild verdecken) oder dahinter (Projektor verdeckt Leinwand). Es muss schräg von der Seite fotografiert werden, was eine Trapez-Verzerrung erzeugt.

Natürlich können viele Fehler softwaremäßig korrigiert werden. Die Korrekturen können sogar per Batchlauf am Rechner komfortabel automatisiert werden. Das Ergebnis wird aber niemals so gut werden, wie mit der weiter unten vorgestellten Methode.

Es ist zu beachten, dass jede ernsthafte digitale Bildbearbeitung und -Verwendung zunächst einmal bestmögliches digitales Ausgangsmaterial voraussetzt.

Zwischenfazit

Diese Methode liefert ein schnelles, aber sehr schlechtes Ergebnis.

Kosten: niedrig
Qualität: niedrig
Zeitaufwand: niedrig

 

Abfotografieren mittels umgebauten Diaprojektors

Die beschriebenen erheblichen Qualitätsverluste können reduziert werden, in dem man auf die Dialeinwand und die Projektoroptik gänzlich verzichtet. Es ist möglich einen Diaprojektor so umzubauen, dass dieser lediglich als Lichtquelle und Transportsystem fungiert. Das Projektionsobjektiv kann herausgeschraubt werden, im Inneren sieht man nun das auf dem Kopf stehende, gleißend hell beleuchtete Dia.
Dieses kann mit einer DSLR mit einem Makroobjektiv abfotografiert werden. Es finden sich im Internet viele Bauanleitungen für diese Installationen.Ein großer Vorteil bei diesem Verfahren ist das komfortable Transportsystem. Die Dias können in einer hohen Geschwindigkeit digitalisiert werden.

Nach einigen Experimenten musste ich feststellen, dass diese Installation viele erhebliche Nachteile mit sich bringt:

Das Digitalisieren von Negativstreifen ist mit dem Diaprojektor nicht möglich.

Das Digitalisieren anderer Filmformate ist nicht möglich.

Die Diafilme müssen bereits zerschnitten und gerahmt sein.

Die Lichtstärke des Diaprojektors ist sehr hoch.
Schließlich sind Diaprojektoren dafür gedacht, mehrere Quadratmeter Leinwand auszuleuchten. Mögliche Abhilfe sind hier kürzere Belichtungszeiten, niedrige ISO-Werte und hohe Blendenzahlen beim Abfotografieren. In der Praxis musste ich feststellen, dass hier mit ungünstigen Grenzwerten gearbeitet werden muss: 1/4000s und Blende 22 bei ISO 100. Während ISO 100 und eine kurze Belichtungszeit nicht von Nachteil sind, ist Blende 22 für Reproduktionen denkbar ungeeignet (Stichwort "Lichtbeugung"). Wenn höchstmögliche Schärfe angestrebt wird, sind mittlere Blendenwerte ideal. Die Blende kann bei dieser Installation jedoch nicht weiter geöffnet werden, da zu viel Licht einfallen würde.
Ferner ist die Schärfentiefe bei Blende 22 sehr hoch, d.h. jedes Staubkörnchen, dass sich in der (oft verstaubten) Beleuchtungsoptik hinter dem Dia oder auf dem Sensor der Kamera befindet, wird scharf und deutlich abgebildet. Das ist natürlich unerwünscht.

Einige Diaprojektoren bieten die Möglichkeit die Glühbirne zu dimmen. Dabei wird einfach die Spannung reduziert. Eine gedimmte Glühbirne weist eine deutlich niedrigere Farbtemperatur auf, was sich wiederum negativ auf das Farbspektrum auswirkt.
In einigen, sogar kommerziell vertriebenen Umbausets, wird nahe gelegt, die originale Lampe zu entfernen und eine Lampe mit kleinerer Wattzahl und gleicher Spannung einzusetzen. Das würde das Problem der zu hohen Lichtintensität lösen. Ich kann davon nur abraten, aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Ersatzbirne, trotz vermeintlich gleicher Spannung, nur eine sehr kurze Lebensdauer aufweisen wird. Generell sind Basteleien an diesen Installationen und hohen Spannungen nicht ganz ungefährlich.

Dazu und zum Farbspektrum mehr im Abschnitt Das ideale Licht.

Wenn wir von größtmöglicher Bildqualität sprechen, sollte man nach Möglichkeit nicht einfach ein Graufilter auf das Objektiv schrauben. Mit einem ND8 Filter wird die Lichtmenge um den Faktor 8 reduziert. Somit wäre es möglich, mit mittleren Blenden und nicht den allerkürzesten Belichtungszeiten zu fotografieren. Das Filter verursacht jedoch einen Schärfeabfall, bringt eine unverwünschte Lichtbrechung (und somit Spiegelungen) und eine leichte Farbverfälschung mit. Graufilter sind trotz der Herstellerangaben nie zu 100% farbneutral.

Falls man sich doch für die Projektor-Bastellösung entscheidet, könnte die Lichtbrechung zwischen Dia und Objektiv dadurch verhindert werden, dass das Graufilter oder ein entsprechendes Dichtefilter zwischen Dia und Lampe positioniert wird. Dort herrschen sehr hohe Temperaturen, die Gläser bestehen aus speziellen Glassorten. Wie sich ein Graufilter bei so hohen Temperaturen verhält, ist mir nicht bekannt.

Ein anderes Problem ist die Tatsache, dass es unterschiedlich dicke Diarähmchen gibt.
Der Diahalter im Projektor ist somit etwas breiter, so dass die Dias praktisch nie absolut senkrecht und nie genau an der exakt gleichen Position stehen. Im Makrobereich sind Schärfentiefen von Bruchteilen eines Millimeters nicht ungewöhnlich, daher kann das kleinste Verkanten eines Dias unscharfe Bildteile verursachen.
Man kann hier gegensteuern, indem eine entsprechend hohe Blendenzahl gewählt wird. Bei hohen Blenden setzt der Effekt der Lichtbeugung die Bildschärfe zunehmend sichtbar ab.
Falls der Einschubschlitten des Diaprojektors eine V-förmige Aufnahme hat, ist der Längstfehler zwar minimiert, dafür werden unterschiedlich dicke Diarahmen unterschiedlich hoch positioniert. Letzteres erfordert ständiges Anpassen des Bildausschnitts. Beides ist nicht optimal.

Ein weitaus größeres Problem besteht darin, dass Dias bei Projektion durch Temperatureinwirkung nach ein paar Sekunden „umknicken“. Ungünstig, wenn dies ausgerechnet beim Abfotografieren passiert. Auf dem kleinen Kameradisplay wird der Fehler leicht übersehen. Bei meiner weiter unten vorgestellten Lösung besteht diese Gefahr nicht, da ist die auf das Dia einwirkende Hitze sehr gering ist.

Weiterhin ist bekannt, dass die Dias im Diamagazin auf dem Kopf stehend abgelegt werden.
Fotografiert man nun in den Diaprojektor hinein, sieht man das Dia „auf dem Kopf stehend“ und „von hinten“, also zusätzlich Spiegelverkehrt. Ein Konvertierungsskript schafft hier Abhilfe, alternativ können die Dias vorher umsortiert werden. Letzteres ist zwar mühsam, bietet sich aber dennoch an, um gleichzeitig das folgende Problem zu lösen:

Im Hochformat aufgenommene Dias: je nach Aufnahmeart, ist ein Teil der aufgenommen Bilder im Hochformat. Diese Dias stehen um 90 Grad gedreht im Diamagazin, damit sie korrekt projiziert werden können. Zum schnellen Abfotografieren ohne eine vernünftige visuelle Kontrolle gänzlich ungünstig, da die vor dem Diaprojektor installierte Kamera nur das Querformat erfasst, das obere und untere Viertel des Bildes würde abgeschnitten werden. Die Kamera für jede Hochformat-Aufnahme neu auszurichten, wäre eine unendlich mühsame Aufgabe!

Daher spricht alles dafür, die Dias für die Digitalisierung sorgfältig vorzusortieren.

Zwischenfazit

Der umgebaute Projektor ist eine deutlich bessere Lösung als das Abfotografieren der projizierten Dias auf der Dialeinwand. Für das Erreichen einer ausreichenden Qualität sind Bastelerfahrung und diverse Modifikationen am Projektor notwendig. Das Transportsystem des Projektors ist leider nicht für allerhöchste Präzision ausgelegt, sondern für Zuverlässigkeit. Mit etwas Improvisations- und Korrekturaufwand lässt sich jedoch ein gutes Ergebnis erzielen.

Kosten: niedrig
Qualität: mittel
Zeitaufwand: niedrig

 

Diaduplikator

Eine ähnliche und kostengünstige Lösung, ist ein so genannter Diaduplikator. Diese Geräte sind extrem simpel aufgebaut und stammen ebenfalls noch aus der Analog-Zeit.
Sie werden mittels T2-Adapter an die Kamera angeschlossen und verfügen über eine entsprechende Makrolinse und eine gute Mattscheibe.

 

Wie der Name schon sagt, waren die Geräte ursprünglich dafür gedacht, Dias zu duplizieren. Man hat die Dia-Vorlage eingelegt und dann mit einer Analogkamera einfach abfotografiert. Der neu belichtete Diafilm wurde entwickelt und es entstand eine 1:1 Kopie des Originals. Jeder Kopiervorgang brachte einen Qualitätsverlust.

Beim Einsatz an der Digitalkamera bringt der Diaduplikator einige Vorteile:
- Kein Fokussieren notwendig, die Linse ist auf die einzig korrekte Entfernung fixiert.
- Meistens sind die Geräte mit einer guten Mattscheibe ausgestattet und Können gut mit einem entfesselten Blitz oder Baustrahler als Lichtquelle kombiniert werden.
- Tageslicht kann als Lichtquelle eingesetzt werden. (dazu mehr im Abschnitt über das ideale Licht)
- Sehr kompakter Aufbau und kaum größer als ein Objektiv.

Nachteile:
- Sehr dunkles Sucherbild
- Qualität der Makrolinse mittelmäßig.
- Da die Adapter meist nur für eine 1:1 Abbildung ausgelegt sind, sind sie nur an Vollformat DSLR sinnvoll verwendbar. Bei APS-C würde nur ein Ausschnitt abgebildet werden.

Achtung! Richtige "Diaduplikatoren" sollten nicht mit den oft angebotenen Diaduplikator-Vorsätzen verwechselt werden. Auf den ersten Blick sehen diese fast identisch aus. Sie unterscheiden sich dadurch, dass Diaduplikator-Aufsätze nur eine stark vergrößernde (meist 10 Dioprien) Linse enthalten. Sie werden nicht wie klassische Diaduplikatoren direkt auf die Kamera, sondern auf ein bereits vorhandenes Objektiv adaptiert. Die resultierende Qualität ist schlecht und wird durch die minderwertige Makro-Linse in Kombination mit dem Nicht-Makro-Objektiv nochmals verschlechtert!

Zwischenfazit

Für kleine Menge oder kleines Budget interessant. Flexibel bei der Wahl der Lichtquelle. Bildqualität bestenfalls mittelmäßig.

Kosten: niedrig
Qualität: mittelmäßig
Zeitaufwand: relativ niedrig

 

Abfotografieren mittels Kompaktkamera

Falls keine DSLR, aber eine digitale Kompaktkamera vorhanden ist, stellt das die mit Abstand günstigste Methode dar, Dias zu digitalisieren. Es gibt kaum nennenswerte Anschaffungskosten.

Benötigt werden lediglich ein handelsüblicher Diabetrachter, eine Digitalkamera und eine Art Abstandhalter. Letzterer kann z.B. aus einer alten Filmdose gebastelt werden. Der Diabetrachter besteht lediglich aus einer vergrößernden Linse und einer Mattscheibe. Der Aufbau ist denkbar einfach: der Diabetrachter mit dem zu digitalisierenden Dia wird direkt vor das Objektiv gehalten und abfotografiert.

 

Kompakte Digitalkamera Canon PowerShot S30 mit einem handelsüblichen Diabetrachter

Der Abstandhalter zwischen Kamera und Diabetrachter ist empfehlenswert, damit
- kein Druck auf das empfindliche Objektiv ausgeübt wird,
- der Abstand zwischen Objektiv und Adapter konstant bleibt,
- und kein unnötiges Streulicht einfällt.

Mit dieser Kamera erfolgten übrigens meine allerersten Versuche, den Digitalisierungsvorgang zu beschleunigen. Die kleine Canon war keine schlechte Kamera, sie hat damals (2001) schon das RAW-Format unterstützt, verfügte über 3,2 Megapixel und alle manuellen Einstellmöglichkeiten, die man aus der analogen Fotografie kannte (manuelle Zeit, Blende, ISO, Fokus).

Der begrenzende Faktor ist die Qualität der Linse des Diabetrachters. Diese ist meist aus Kunststoff gefertigt, unvergütet und sehr kratzanfällig. Die Schwächen dieser Installation sind am deutlichsten an den Bildrändern zu sehen. Diabetrachter sind nicht für eine hochqualitative Vorschau gedacht, sondern helfen normalerweise beim Sortieren der Dias. Die Auflösung heutiger kompakter Digitalkameras ist viel höher, als die Linse des Diabetrachters zu leisten vermag. Hier genügt es, vor vorneherein mit einer deutlich verminderten Auflösung abzufotografieren.

Die meisten Kompaktkameras verfügen über eine Makrofunktion, diese muss eingeschaltet werden. Die Makroleistung wird bei Kompaktkameras in der Regel nur in der Weitwinkel-Stellung des Objektivs erreicht.

Ein eventueller Bildstabilisator sollte ausgeschaltet werden (vorausgesetzt die ganze Konstruktion wackelt nicht). Der ISO-Wert sollte möglichst niedrig sein, also z.B. 100 ASA/ISO, um kein unnötiges Bildrauschen zu verursachen. Für höchstmögliche Schärfe empfehlen sich per Faustregel die "mittleren" Blenden des Objektivs. D.h. wenn das Objektiv über Blendenwerte von 2.8 bis 11 verfügt, empfiehlt es sich hier einen Blendenwert von 5.6 manuell einzustellen. Der Weißabgleich oder eine eventuelle Farbkorrektur kann schon in der Kamera erfolgen.

Zwischenfazit

Ich war selbst überrascht, die Ergebnisse waren in jedem Fall besser, als mit meinem 400-Euro-Flachbettscanner mit Durchlichteinheit. Für eine schnelle Vorschau, Web-Darstellung oder E-Mail waren die auf 800x600px herunterskalierten Bilder (~0,5 Megapixel) vollkommen ausreichend. :-)
Die ganze Installation hat einen Kostenpunkt von nur 5,- Euro für den Diabetrachter und ist äußerst kompakt.

Für anspruchsvolle Bildbearbeitung oder für Archivzwecke ist diese Quick-and-Dirty Methode natürlich gänzlich ungeeignet.

Kosten: sehr niedrig
Zeitaufwand: niedrig
Qualität: relativ niedrig

An dieser Stelle sind wir schon sehr nah an der "idealen" Lösung. Es muss nur noch die Bildqualität verbessert werden.

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  © A.Z. 2017   A camera does nothing. You do.